Vorträge und Veranstaltungen
Prof. Dr. Julia Hillner (Universität Bonn) hält am 21.05.2026 einen Vortrag mit dem Titel "Sinn oder Sinnlichkeit: Kaiserliche Ehen in der Spätantike" In jeder Monarchie spiegeln die Wahl des Ehepartners durch den Herrscher sowie die Entscheidungen darüber, mit wem Verwandte verheiratet werden, das Selbstverständnis dieses Regimes wider. Die Heiratsstrategien der römischen Kaiser müssen aus dieser Perspektive noch systematisch erforscht werden. Dieser Vortrag widmet sich der Brautwahl spätantiker Kaiser, von der Tetrarchie bis zu Phokas (602-610 u. Z.). Dabei geht es zum einen darum, aus dieser Wahl Strategien im obigen Sinne abzuleiten, um das Selbstverständnis des spätantiken Kaisertums näher zu beleuchten. Auf der anderen Seite sollen Geschichten von spätantiken Kaisern, die angeblich aus Liebe heirateten, in ihre historischen Zusammenhänge eingeordnet werden.
Herr Prof. Dr. Michael Heinzelmann (Köln) hält am 16.07.2026 einen Vortrag mit dem Titel "Ziegelbau in Rom. Innovativ? Effizient? Nachhaltig? – Eine kritische Bilanz". Ziegel als Baustoff scheint in der kaiserzeitlichen Architektur Roms und Ostias omnipräsent zu sein: von den Residenz- und Repräsentationsbauten der Kaiser, über die großen Unterhaltungsbauten bis hin zu einfachen Wohnhäusern und Gräbern - überall prägen die roten Ziegelfassaden das kaiserzeitliche Stadtbild. In der Architekturforschung hat sich für diesen erstaunlichen Erfolg des Ziegelbaus das Narrativ einer stringenten Entwicklung der römischen Mauerwerkstechniken etabliert, deren Kulminationspunkt im opus latericium erreicht worden sei. Dabei wird der Ziegelbau oft mit Schlagworten, wie ‚innovativ‘, ‚effizient‘ oder ‚nachhaltig‘ belegt. Aber stimmt diese Perspektive eigentlich? Ausgehend von neueren bauökonomischen Untersuchungen zieht der Vortrag eine kritische Bilanz - mit teilweise überraschenden Ergebnissen.
Prof. Dr. Ortwin Dally (DAI Rom) hält am 30.04.2026 einen Vortrag mit dem Titel "Forschungen zur Topographie des Kapitols. Neue Einblicke in die Stadtgeschichte Roms in Antike, Mittelalter und Neuzeit." Der Vortrag stellt die vorläufigen Ergebnisse des Forschungsprojekts der Sovrintendenza Capitolina ai Beni Culturali und des Deutschen Archäologischen Instituts vor zur archäologischen und bauhistorischen Geschichte des südlichen Hälfte des Kapitols. Die Ausgrabungen im Garten des Instituto di Corrispondenza Archeologica und des ehemaligen protestantischen Hospitals eröffnen uns eine neue Perspektive auf die wichtigsten Phasen der kulturhistorischen Entwicklung Roms: das Heiligtum des Jupiter Optimus Maximus, das Mittelalter, das 16. und 17. Jahrhundert und schließlich das 19. Jahrhundert, als der westliche Gipfel des Hügels in den Besitz Preußens überging – eine Voraussetzung für die Gründung des Instituto di Corrispondenza Archeologica als Vorgänger des DAIs.
Prof. Dr. Dorothea Rohde (Köln) hält am 18.06.2026 einen Vortrag mit dem Titel "Rosa Rosen aus dem Paestum: Zur Verflechtung von Markt, Religion und Urbanität. "Der Vortrag untersucht die römische Stadt als gebauten und sozial konstruierten Raum, in dem Religion, Wirtschaft und Gesellschaft eng verflochten waren. Am Beispiel des floralen Schmucks – Kränze und Girlanden – wird gezeigt, wie religiöser Konsum das städtische Leben prägte. Die Analyse beleuchtet drei Dimensionen: (1) die zeitliche Rhythmisierung religiösen Konsums durch häusliche, nachbarschaftliche und öffentliche Feste, (2) die räumliche Topographie religiöser Markttransaktionen in der Stadt, sowie (3) die soziale Positionierung von Akteuren und ihre Beziehungen. Auf diese Weise wird deutlich, wie Religion nicht nur einen städtischen Wirtschaftsfaktor bildete, sondern auch, wie die römische Stadt durch soziale, wirtschaftliche und religiösmotivierte Interaktionen eine spezifische Urbanität ausbildete.
Herr Dr. Thomas Otten (MiQua Köln) hält am 09.07.2026 einen Vortrag mit dem Titel "Das mittelalterliche jüdische Viertel in Köln – von der Ausgrabung zum Museum". Zentral in der Kölner Altstadt entsteht das LVR-Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln. In einem unterirdischen Rundgang wird hier zukünftig auf mehr als 6.000 m² die 2000-jährige Kölner Stadtgeschichte für die Besuchenden sichtbar und erlebbar. Bei Ausgrabungen traten 1953 und dann vor allem seit den 1990er Jahren aufsehenerregende Befunde zutage, angefangen beim Palast des römischen Statthalters, dem Praetorium, bis hin zum mittelalterlichen jüdischen Viertel. Über diesen arch. Denkmälern wird seit 2015 ein neues Museumsgebäude errichtet, das neben einem Dauer- und Wechselausstellungsbereich zur Jüdischen Geschichte Kölns Einblicke in die Archäologie des Untergrunds ermöglicht. Der Vortrag gibt einen Überblick über die Denkmäler, das Museumskonzept und den aktuellen Stand der Baustelle.
Herr Prof. Eckhard Wirbelauer (Universität Strasbourg) hält am 24.04.20254 einen Vortrag mit dem Titel "Der 28. Oktober 312 und seine Folgen: Eine Wende in Rom". Als Maxentius an der Milvischen Brücke Schlacht und Leben verlor, brach für die Römer eine Welt zusammen, die erst wenige Jahre zuvor (306) begonnen hatte. Denn mit Maxentius herrschte seit langem wieder ein Kaiser in Rom selbst, der noch dazu durch seine Handlungen deutlich machte, dass die Stadt selbst seine Herrschaft legitimieren sollte. Die Niederlage brachte also gerade die führenden Familien der Stadt in größte Nöte, denn es galt nun, Beziehungen zum Sieger aufzubauen und den bisherigen Kaiser vergessen zu machen. In dem Vortrag werden die Etappen dieser Wende aus der Sicht der Besiegten bis zur Errichtung des Bogens für Konstantin nachgezeichnet
Frau Dr. des. Linda Stoeßel (Bonn) hält am 11.06.2026 einen Vortrag mit dem Titel "Ästhetik antiker Wirtschaftsräume im Rom der späten Republik und frühen Kaiserzeit". In der späten Republik bilden sich in Rom erstmals verschiedene Bautypen wie Macella, Basiliken und Horrea heraus, die explizit für wirtschaftliche Aktivitäten gedacht waren. Diese neue Bauaufgabe entstand durch die Anforderungen hoher Bevölkerungszahlen, einer nachhaltigen Getreideversorgung und der gestiegenen Nachfrage an Alltags- und Luxusgütern. Ab dem 2. Jh. v. Chr. werden diese monumentalen Bauten mit teils aufwändiger Ausstattung von Mitgliedern der Oberschicht gestiftet. Ihre Form- und Dekorelemente prägen ein künstlerisches Eigeninteresse und spezifische Formtypen aus, die auf bestimmte Funktionen und Nutzungsweisen ausgelegt waren. Darüber hinaus transportierten die Bauten mit ihren Gestaltungskonzepten nicht nur gezielte Semantiken, sondern erwiesen sich auch als Testfeld u. a. für innovative Bautechniken.
Herr PD Dr. Armin Becker (LVR-APX, Xanten) hält am 17.09.2026 einen Vortrag mit dem Titel “Neue Forschungen in der CUT. Ein Überblick”. Der LVR-Archäologische Park Xanten mit Römermuseum (LVR-APX) hat die Aufgabe, die römische Stadt Colonia Ulpia Traiana (CUT) zu schützen, zu erforschen und zu präsentieren. In diesem Zusammenhang entsteht derzeit eine GIS-Datenbank (CUT-GIS), deren Grundlage die Erfassung von mittlerweile über 2000 archäologischen Grabungen, aber auch Verlustflächen ist. Zusätzlich zu den bereits existierenden digitalen Messdaten (CAD, MapInfo) wurden dazu über 10000 analoge Befundzeichnungen vektorisiert und in den Gesamtplan eingearbeitet. . Der Vortrag gibt einen Überblick über die jüngsten Ausgrabungen innerhalb der CUT und über die geophysikalischen Prospektionsergebnisse der letzten Jahre. Gerade diese haben unser Bild vom Zentrum der römischen Stadt Colonia Ulpia Traiana tiefgreifend verändert.
Der Förderverein des Akademischen Kunstmuseums Bonn wurde 1996 gegründet, um das Museum, die bedeutende, seit über 200 Jahre bestehende Antikensammlung der Universität, zu unterstützen. Einführung, Grußworte, Festvortrag: Dr. Daniel Graepler (Kustos der Sammlungen am Archäologischen Institut der Georg-August-Universität Göttingen), „Sehschule, Forschungslabor und Schnittstelle zur Öffentlichkeit: Vom Nutzen archäologischer Universitätssammlungen heute“, Ehrungen, Empfang im Foyer
Öffentliche Führung im Akademischen Kunstmuseum Bonn: Monumente stolzer Frauen – Die Nikandre und andere Geschenke an die Götter
Herr Tobias Wild (Regensburg) hält am 25.06.2026 einen Vortrag mit dem Titel "Das Diadem der hellenistischen Herrscher. Zur Genese einer Herrschaftsinsignie". Das Diadem ist das typische Attribut des hellenistischen Herrscherporträts. So klar es in einer diachronen Perspektive als 'Erkennungszeichen' für die Könige funktioniert, so enigmatisch und letztlich ungeklärt ist seine Herkunft. Im Vortrag soll argumentiert werden, dass das Diadem in einer bislang kaum berücksichtigten Tradition griechischer Stoffbinden gesehen werden muss - eine Perspektive, welche seiner Genese und (frühen) Semantik eine entscheidende neue Nuance hinzufügt.
Zu folgender Vortragsveranstaltung am Freitag, dem 19.06.2026 ab 14:15 Uhr im Hörsaal I der Römerstraße 164 laden wir herzlich ein: Prof. Dr.-Ing. Thekla Schulz-Brize (TU Berlin) – Dr. Philip Brize (Berlin) – Prof. Dr. Frank Rumscheid (Universität Bonn) Das Heiligtum der Hekate in Lagina ist das bedeutendste dieser für Magie und Zauberei zuständigen Göttin, das aus der antiken Welt bekannt ist. Kernbau des Heiligtumes ist der Tempel, der seit langem und mehrfach in der Forschung behandelt wurde. Die Architektur und Baugeschichte des Tempels sind dagegen jetzt erst detailliert untersucht und verstanden worden. Entscheidende Informationen zu den Nutzungsphasen des Kultplatzes, den dort vollzogenen Ritualen und dem wechselnden Aussehen des Kultbaues ergeben sich durch Sondagen im Inneren der Cella. In drei Vorträgen werden die Überlegungen zur Bauforschung, zur Bauornamentik und zur Deutung der Sondagenbefunde und -funde vorgestellt und diskutiert.
Materielle Objekte stehen im Mittelpunkt archäologischer Forschung und Lehre. Als sich die Klassische Archäologie an den Universitäten als eigenes Lehrfach konstituierte, musste daher für die Bereitstellung geeigneten Anschauungsmaterials gesorgt werden. Zentrale Bedeutung kam zunächst den Gipsabguss-Sammlungen zu. Später wurde auch originales Fundmaterial in immer größerem Umfang zu Lehrzwecken gesammelt. Erst in neuerer Zeit werden archäologische Universitätssammlungen immer intensiver auch für die Öffentlichkeitsarbeit des Faches genutzt, in Form von Sonderausstellungen, Führungen und museumspädagogischen Aktionen, die sich an ein allgemeines Publikum richten. Der Vortrag zeigt die vielfältigen Möglichkeiten, aber auch die Schwierigkeiten auf, die mit der Arbeit archäologischer Universitätssammlungen heute verbunden sind. Die besondere Bedeutung des Bonner AKMs als einer der ältesten und wichtigsten Einrichtungen ihrer Art tritt dabei deutlich hervor.
Öffentliche Führung im Akademischen Kunstmuseum Bonn: Monumente und Bilder für das Jenseits – Die Griechen und der Tod
Öffentliche Führung im Akademischen Kunstmuseum Bonn: Spektakuläre Bilder für Fans? Gladiatoren, Venatores und Wagenlenker als Themen der Kleinkunst
Öffentliche Führung im Akademischen Kunstmuseum Bonn: Von Angesicht zu Angesicht – Antike Frauen im Porträt
Öffentliche Führung im Akademischen Kunstmuseum Bonn: Als unsterbliche Erinnerung an den sterblichen Körper – Griechische Porträtstatuen und ihre Funktionen (7.–1. Jh. v. Chr.)
Öffentliche Führung im Akademischen Kunstmuseum Bonn: Tempus fugit – Wahrnehmung und Darstellung von Zeit in der antiken Welt
Öffentliche Führung im Akademischen Kunstmuseum Bonn: Die Fremden und wir – Kulturkontakte in der Klassischen Antike
Dr. des. Anna Klara Falke (LVR-Landesmuseum Bonn) hält am 16.04.2026 einen Vortrag mit dem Titel "Römische Brücken im Vorderen Orient". Für die Infrastruktur in römischer Zeit bildeten Brücken eine wichtige Grundlage, um natürliche Hindernisse zu überwinden. Steinerne Brücken mit Rundbögen sind auch heutzutage noch vielerorts sichtbar. Diese Bautechnik verbreitete sich in den römischen Provinzen, so auch im Vorderen Orient. Dort sind es vor allem Wadis, die nicht ganzjährig Wasser führen, die überspannt werden mussten. Dementsprechend wurde der Brückenbau in der Region angepasst und weist einige Besonderheiten auf. Besonders gut nachvollziehen lässt sich dies an der Nordost-Brücke in Bet She’an im heutigen Israel, die innerstädtisch errichtet wurde und schräggestellte Pfeiler besitzt. Im Vortrag wird diese Brücke im Kontext des römischen Brückenbaus in der Region vorgestellt.