Universität Bonn

Institut für Archäologie und Kulturanthropologie

Aktuelles und Veranstaltungen

Aktueller Hinweis

ACHTUNG: Wegen der Vorbereitungen für den anstehenden Umzug in ein Interimsquartier bleibt das Museum ab dem 1. August 2023 für mehrere Monate geschlossen! Voraussichtlich im dritten Quartal 2024 wird es dann am neuen Standort Poststraße 26 / In der Sürst 8–10 (Bonner Innenstadt, zwischen Hauptbahnhof und Münster) wieder eröffnet. Hintergrund ist die Generalsanierung des Uni-Hauptgebäudes, für die ein Zeitraum von 10–12 Jahren angesetzt ist. Weitere Informationen finden Sie hier: https://vr-easy.com/tour/horst/200701-ccc//info_209-1682938544.pdf

Für Veranstaltungen während der Schließungszeit (Führungen, Workshops) wenden Sie sich bitte direkt an den Vorsitzenden des Fördervereins, Herrn Horst Creutz: horstcreutz@gmx.de

Aktuelles und Veranstaltungen im Ägyptischen Museum

Abendvortrag in der Abt. Ägyptologie (!) am Mittwoch, 21.02.2024, 18:30 Uhr:

Prof. Dr. Antonio Loprieno (Bonn/Basel): Als Ägypten von den Hebräern angegriffen wurde…

Während die Orientierung der altägyptischen Außenpolitik am sog. "Erschlagen der Feinde" ein bekannter Topos ist, der auch auf das Alte Israel Anwendung fand, wie dessen Erwähnung in der Merneptah-Stele (um 1200 v. Chr.) belegt, ist die umgekehrte Konstellation, in der Israel den Aggressor und Ägypten das Opfer stellt, in den historischen Rekonstruktionen viel weniger geläufig. Aber es fehlt von der Späten Bronzezeit bis zum Hellenismus nicht an Belegen, welche ein dialektischeres Bild der Begegnung zwischen Ägypten einerseits und dem vorbiblischen Kanaan, dem biblischen Israel und dem antiken Judäa andererseits vermitteln. In diesem Vortrag möchte ich die Rolle der politischen Gewalt im Verhältnis zwischen Ägypten und Israel beleuchten, indem ich die vielfältigen Erscheinungsformen von "Israel" (im weitesten Sinne) und dessen negative Konnotationen in der ägyptischen Ikonographie, Epigraphik und Literatur verfolge. Der Schlüssel zum Verständnis der Erinnerung an die israelitische politische Gewalt im Alten Ägypten ist die Erkenntnis der Austauschbarkeit der Rollen von "Aggressor" und "Opfer" im gesellschaftlichen Gedächtnis, insbesondere in primär mündlichen narrativen Kontexten. Wenn wir schriftliche Quellen untersuchen, die mehr oder weniger zeitgenössisch mit den beschriebenen Ereignissen sind, kann es prima facie einfach erscheinen, zwischen Subjekten und Objekten politischer Gewalt zu unterscheiden. Aber wenn wir uns den kulturellen Spuren gewalttätiger Ereignisse zuwenden, die von der späteren Erinnerung verarbeitet wurden, erleben wir eine viel größere Flexibilität in der Art und Weise, wie die Kategorien "Opfer" und "Aggressor" verhandelt werden, um sie an zeitgenössische Diskurse anzupassen. Im Vortrag werde ich diese Flexibilität untersuchen, indem ich die Repräsentation kollektiver Gewaltakte zwischen dem Alten Ägypten und Israel in den Vergangenheitsbildern dieser beiden Kulturen reflektiere.

Prof. Dr. Dr. h.c. Antonio Loprieno hat Ägyptologie, Semitistik und Sprachwissenschaft in Turin studiert (Promotion 1979), sich in Göttingen habilitiert (1985) und Ägyptologie in Perugia (1986–1989), Los Angeles (1989–2000) und Basel (2000–2023) gelehrt. Seine Forschung ist linguistisch, kultur- und sozialwissenschaftlich orientiert. Neben der wissenschaftlichen Tätigkeit engagiert er sich in der europäischen Hochschulpolitik. Seit Oktober 2023 ist er Distinguished Professor Emeritus in der Abteilung Ägyptologie der Universität Bonn.

Ort: Abteilung Ägyptologie der Universität Bonn, Raum 4.007 • Brühler Str. 7 • 53119 Bonn (erreichbar mit den Linien 16, 18 und 63, Haltestelle Probsthof-Nord bzw. Brühler Straße)

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Traurige Nachricht:

Andreas Blasius, 9.4.1967–15.1.2023

Von Ehre ohne Ruhm

Von Größe ohne Glanz

Von Würde ohne Sold –

so überschrieb Walter Benjamin seine Deutschen Menschen, und in einer durchaus sehr spezifischen Weise gelten diese Verse auch für unseren Freund und Kollegen Andreas Blasius. 

Mit akribischer Detailarbeit in seinem Forschungsfeld des Hellenismus und insbesondere der Ptolemäer-/Seleukidenzeit erreichte er Klarheit im Urteil und sein Wissenskosmos spannte sich zeitlich und räumlich vom pharaonischen Ägypten bis zum römischen Britannien. Es war eine Freude, mit ihm zu diskutieren. Als melancholischer Romantiker und Perfektionist setzte er sich immer wieder selbst sehr hohe Ansprüche, und dies machte sein Leben nicht leichter. Dabei zeichnete ihn eine außerordentliche Hilfsbereitschaft aus, von der wir alle profitieren durften.

Von den akademischen Kerndaten ist sein Magister in Alter Geschichte vom Dezember 1995 sowie seine Mitarbeiterrolle im Bonner SFB 534 (07/1999 bis 06/2003) herauszuheben. Seitdem ohne ein Amt (eine Bezeichnung als Independent Scholar hat er allerdings nie gewählt) war Andreas allein kraft seiner Leistung ein international geschätzter Forscher, und zwar in den vernetzten Feldern Alte Geschichte, Theologie, Klassische Archäologie und eben Ägyptologie mit substantiellen Beiträgen in diversen lokalen, nationalen und internationalen Konferenzen und Workshops. In einem engen Verhältnis zu Frau Ursula Rößler-Köhler als Gründungsdirektorin stehend, spielte er eine wesentliche Rolle bei Etablierung und Aufbau des Bonner Ägyptischen Museums, gerade auch als Gründungsmitglied und 1. Vorsitzender des Fördervereins. Auch privat war er ein leidenschaftlicher Sammler, und besonders im Feld der Münzen kam dem Museum seine diesbezügliche Expertise zu Gute. Andreas war ein begeisterter und begeisternder Lehrer, der über viele Jahre regelmäßig sehr erfolgreiche Kurse zum ptolemäischen und römischen Ägypten, zum römischen Britannien oder zur pharaonenzeitlichen ägyptischen Geschichte angeboten hat. Als Nachtarbeiter hat er sich in den letzten Jahren zwar sozial zurückgezogen, blieb aber immer extrem hilfsbereit. 

Wir vermissen Andreas Blasius und sind traurig über seinen plötzlichen Tod. 

Im Namen der Abteilung für Ägyptologie, des Ägyptischen Museums und seiner Freunde:

Ludwig Morenz, Beryl Büma, Amr El Hawary, Frank Förster

(Schriften von Andreas Blasius)

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