Gleich zwei Forschungsprojekte aus der Abteilung wurden von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert und eröffnen neue Perspektiven auf zentrale Fragen der Spätantike und des frühen Mittelalters.
Das Forschungsprojekt „Lokale Anpassung an globale Unsicherheit: eine archäologische Perspektive aus Mittelitalien im frühen Mittelalter“ von Dr. Luigi Pinchetti wird im Rahmen des Programms „Eigene Stelle" gefördert und ist ab März 2027 hier bei uns angesiedelt. Es baut auf dem Projekt „Monks and Peasants“ auf, das mit einem Argelander Starter Kit Grant der Universität Bonn gefördert wurde und im Rahmen dessen die vorbereitenden Prospektionskampagnen durchgeführt wurden.
Im Mittelpunkt des Projekts steht die Frage, wie ländliche Gemeinschaften in Umbrien sich an den neuen geopolitischen Rahmen des Frühmittelalters angepasst haben. Anhand von Siedlungsmustern und keramischen Funden untersucht das Projekt, ob bäuerliche Gemeinschaften in Krisenzeiten auf Selbstversorgung zurückgriffen oder ob sie eigenständig neue Formen regionaler Austauschnetzwerke entwickelten. Ziel ist es, etablierte Modelle zur frühmittelalterlichen Landschaftsentwicklung in Italien kritisch zu überprüfen und neue Perspektiven auf die Handlungsfähigkeit marginalisierter Bevölkerungsgruppen zu eröffnen.
Das Projekt wird fortgeführt in Kooperation mit der Soprintendenza Archeologica dell'Umbria sowie mit der Gemeinde Massa Martana. Auf wissenschaftlicher Ebene bestehen Kooperationen mit Dr. Wieke de Neef (Universität Bamberg) für die geophysikalischen Prospektionen sowie mit Dr. Giacomo Fontana (Texas Tech University) für die LiDAR-Analysen.
Das Forschungsprojekt „Frühchristliche Skulptur: neue Kontexte, neue Repräsentationsformen? “ von Dr. Stefanie Archut wird im Rahmen des Walter Benjamin-Programms gefördert und ist am Lehrstuhl für Spätantike und Byzantinische Kunstgeschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München angesiedelt.
Im Zentrum steht die Neubewertung der Rolle plastischer Bildwerke im frühchristlichen Kirchenraum. Durch die Einbeziehung bislang wenig beachteter Befunde und einen erweiterten Skulpturbegriff untersucht das Projekt, in welchem Umfang dreidimensionale und reliefierte Darstellungen Teil sakraler Ausstattung waren. Ziel ist es, etablierte Annahmen zur frühchristlichen Bildkultur kritisch zu hinterfragen und neue Perspektiven zu eröffnen.