Universität Bonn

Institut für Archäologie und Kulturanthropologie

Lateinamerika und Europa

Oftmals beschäftigt sich die Forschung mit Themen, die überregional zusammenhängen. Hierdurch werden nicht nur Regionen der Amerikas thematisch verbunden, sondern auch Bezüge zu anderen Regionen hergestellt, insbesondere nach Europa. Die interregionale und meist auch interdisziplinäre Ausrichtung solcher Projekte spiegelt historische, kulturelle oder wissenschaftstheoretische Querschnittsaspekte wider. Sie ergänzt die regionale Forschung des Amazonas-Anden-Raums und Mesomerikas.

Aktuelle Forschungsprojekte

Erasmus + LIT-FUTURE – Literature to change the future: promoting narratives and spaces for ecosocial change from universities

Leitung:

Dr. Monika Wehrheim

Dr. Antje Gunsenheimer

Förderung:

Kofinanziert von der Europäischen Union

Kooperation:

Universität Murcia (Spanien), Universität Stockholm (Schweden), Universität Leuwen (Belgien), Universität von Salerno (Italien).

Mit Beginn des Jahres 2025 hat das Interdisziplinäre Lateinamerika-Zentrum (ILZ), gemeinsam mit seinen europäischen Partnern, die Arbeit am „Erasmus+ Projekt LIT-FUTURE” aufgenommen, gefördert von der EU.

 Ziel von LIT-FUTURE ist die Entwicklung innovativer und transnationaler digitaler Bildungstools, die die narrativen Vorstellungswelten von Klimafiktion, anthropozänen Poetiken und der Öko-Literatur analysieren. Hierdurch sollen Kenntnisse der vielfältigen Ursachen und Auswirkungen der aktuellen ökosozialen Krisen vertieft und gleichzeitig die Rolle der Universitäten bei der Förderung von Nachhaltigkeit, der Bekämpfung der Klimakrise und dem ökologischen Wandel gestärkt werden. Das Projekt ist interdisziplinär angelegt. Die behandelten Themen werden sowohl aus literaturwissenschaftlicher als auch aus soziologischer und anthropologischer Perspektive betrachtet. 

Um diese Ziele zu erreichen, verfolgt das Projekt verschiedene Informations- und Forschungsvorhaben, die an den kooperierenden Universität realisiert werden.

Zur Homepage des Projektes: www.lit-future.eu

●        Webinars: Bisher wurden fünf Webinars veröffentlicht, die auf dem YouTube-Kanal von Lit-Future verfügbar sind (https://www.youtube.com/@Lit-Future).  

1.      Webinar “The Capitalist World-Ecology: Theory and Method on the ‘Real Ground of History'" (organisiert und moderiert von Dr. Gennaro Avallone, Università degli Studi di Salerno, Italien): Der US-Amerikanische Historiker, Humangeograph und Professor für Soziologe an der Binghampton University, Jason W. Moore, analysiert in seinem Beitrag die theoretischen Ansätze des Kapitalozäns und der World Ecology. Er reflektiert über ihre Bedeutung im Verständnis gegenwärtiger ökologischer Krisen und der historischen Transformationen des kapitalistischen Systems.

Siehe: https://youtu.be/wBmpPYY0Tas?si=0NWz6F3FGs6Rjm3K

2.      Webinar „El giro ecocrítico: prácticas, epistemologías e imaginarios en América Latina“ (organisiert von Monika Wehrheim und Antje Gunsenheimer, Universität Bonn): Gisela Heffes, Literaturwissenschaftlerin und Professorin an der Johns Hopkins University (USA), sondierte gemeinsam mit Professorin Natalia López Rico (Universidad Diego Portales (Chile) die aktuelle literarische Produktion zu den Themen Umweltkrisen, Klimawandel und Migration in Lateinamerika, die Entstehungshintergründe und Entwicklungen. 

Siehe: https://youtu.be/4raLsDHL-tM?si=nEaNQ4s5pUCcozYZ

3.      Webinar “Ecofeminismos en la literatura y las artes de América Latina” (Moderation: Dr. Christian Pardo Gamboa, UC Louvain, Belgien): Charlotte Luyckx, Geneviève Fabry (beides Literaturwissenschaftlerinnen der UC Louvain) sowie Cynthia Francisca (Universidad Adolfo Ibáñez, Chile) diskutierten öko-feministische Tendenzen in künstlerischen und literarischen Praktiken Lateinamerikas vor dem Hintergrund philosophischer und literaturwissenschaftlicher Theorien. 

Siehe: https://youtu.be/JUUpRdLZ0rQ?si=dfC4l3KKeiKa39Qb

4.      Webinar “Contesting the Climate Unthinkable” (organisisert und moderiert von Professor von Juan Carlos Cruz Suárez, Universität Stockholm, Schweden): Im Fokus stand das Buch Contesting the Climate Unthinkable: Latin American Cultural Responses to a Warming World (2025), welches verschiedene Stimmen und Narrative zusammenführt und der Frage nachgeht, wie lateinamerikanische Künstler:innen, Schriftsteller:innen und Denker:innen die Klimakrise erfahren, sichtbar machen und verstehen. Zu Gast waren die Herausgeber:innen Azucena Castro (Rice University, (USA), Gianfranco Selgas (KTH Royal Institute of Technology, Schweden), Ken Benson (Universität Stockholm) sowie die Autor:innen Victoria Saramago (University of Chicago, USA), José Carlos Díaz Zanelli (Hamilton College, USA) und Roberto Robalinho (Universidade do Rio de Janeiro, Brasilien).  

Siehe: https://youtu.be/_FM-G9x40kA?si=kB-5afFKUnt2t9Nd

5.      Webinar “Ecographics and Ecocritical Gestures in Comics", wurde von der UC Louvain organisiert und von Ben de Bruyn moderiert. Im Mittelpunkt dieses Webinars stand die Frage, wie Comics durch narrative und visuelle Mittel die Beziehungen zwischen Menschen, Natur und more-than-humans Lebenswelten darstellen, hinterfragen und sichtbar machen. Zu Gast waren Véronique Bragard (UC Louvain, Belgien) und Armelle Blin-Rolland (Bangor University, Wales).

Siehe: https://youtu.be/QaccXtIbSf8?si=qXUTb_tjxlrF0Y4Q

●        Escrituras del giro antropocénico: Die ständig wachsende interaktive Datenbank bietet den Leser:innen Zusammenfassungen und Kurzbiographien zu literarischen Bearbeitungen von Umweltkrisen, Posthumanismus, Dystopien, Natur, Rohstoffabbau usw. Siehe: https://lit-future.eu/catalogo

●        Ecoliteratura: In Gesprächen mit Schriftsteller:innen und Künstler:innen werden die Hintergrundgeschichten zu deren ökokritischen Werken beleuchtet. Die online gestellten Interviews eröffnen vielschichtige Einblicke in die aktuelle Literatur und bilden einen Part des audiovisuellen Archives des Projektes. Das ILZ führte ein Interview mit Pedro Junior Firizateke und Astrid Percidia Chichaco Meicuaco, Dichter:innen und Musiker:innen der indigenen Gemeinschaft Mairidikai (Peru) durch. Dieses und viele weitere Interviews lassen sich auf der Website des Projektes (https://lit-future.eu/entrevistas/) und auf dem YouTube-Kanal von Lit-Future (https://www.youtube.com/@Lit-Future) finden.

●        Publikationen

Die Anfang 2026 erschienen ersten drei Bände bieten in einzelnen Artikeln Einführungen und Hintergrundinformationen zu den gesellschaftlichen Hintergründen und den Leitthemen heutiger ökokritischer, dystopischer Literatur im spanisch-sprachigen Raum. Sie eignen sich als Überblicksliteratur im Unterricht (Oberstufen und BA-Programme) sowie für ein allgemeines interessiertes Publikum. Die Publikationen stehen auf der Website des Projektes Lit-Future als PDF zum Download bereit: https://lit-future.eu/investigacion/

1.      Band: Paradigmas y trayectorias teóricas: pensar la crisis ecosocial desde la literatura

2.      Band: La poesía contemporánea frente a la crisis ecosocial

3.      Band: La narrativa del siglo XXI frente a la crisis ecosocial

4.      Band: Crisis socioecológicas y movilidades en el siglo XXI (in Vorbereitung)

●        Clubes de lectura: An jeder der fünf kooperierenden Partneruniversitäten des Projektes wurde inzwischen ein Leseclub eröffnet, der sich der gemeinsamen Lektüre und Diskussion ausgewählter Werke zu Klimafiktion, anthropozänen Poetiken und Öko-Literatur widmet. Im Sommersemester 2026 organisierte das ILZ den Club de lectura „Literatura, medioambiente y crisis ecosocial“. Besprochen wurden unter anderem Chilco (2023) von Daniela Catrileo, eine Auswahl amazonischer Shipibo-Konibo- und Nahuatl-Lyrik sowie La infancia del mundo (2023) von Michel Nieva. Im November sind die Bonner Teilnehmenden zu einem virtuellen Treffen mit den Leseclubs der anderen Partneruniversitäten eingeladen. Wer noch daran teilnehmen möchte, kann sich gerne anmelden über: ilz@uni-bonn.de

●        Präsentation des Projektes in Brüssel: Ende Juni 2026 konnten die Projektpartner das Projekt mit seinen Themen und Zielen dem EU-Parlamentsabgeordneten Marcos Ros Sempere (Mitglied im Ausschuss für Kultur und Bildung) vorstellen. 

●        Kongresse: Zusammen mit seinen europäischen Partnern war Lit-Future an der Ausgestaltung des I Congreso Internacional de Literatura Española y Hispanoamericana zu "Literatura y Antropoceno: subjetividades, temporalidades y territorios" (21. bis 23. Januar 2026 in Murcia) beteiligt. Zum vollständigen Programm: https://lit-future.eu/programa-congreso-antropolit/  

●        Bookguide: Derzeit entsteht ein interaktiver Literaturführer zu Ökoliteratur, Klimafiktion und Poetiken des Anthropozäns. Er richtet sich insbesondere an Schüler:innen der Sekundarstufe sowie an Studierende in den ersten Semestern ihres Bachelorstudiums. 

Für weitere Informationen zu den Aktivitäten des ILZ in Zusammenarbeit mit dem Lit-Future-Projekt schreiben Sie uns bitte an ilz@uni-bonn.de 

 

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© LIT-Future

Forschungsgruppe TransExil. Verhandlungen von Ästhetik und Gemeinschaft im postrevolutionären Mexiko

Teilprojekt 4 - „Cultural Anthropology, Indigenismus und
lokale Materialitäten im Kontext des Exils“

Laufzeit: 2025 - 2029

Leitung:
Prof. Dr. Karoline Noack (Universität Bonn - Altamerikanistik, Kulturanthropologie)

Prof. Dr. Jordan Troeller (Leuphana Universität Lüneburg - Kunstwissenschaft)

  • Mirjana Jandik (Projektmitarbeiterin, Universität Bonn - Abteilung für Altamerikanistik)

Förderung: DFG

Kooperationen:
Leuphana Universität Lüneburg, Kunstwissenschaft
Leibniz Universität Hannover, Romanistik (Lateinamerikanistik, Karibikstudien)
Universität Hamburg, Germanistik (NDL, Exilliteratur)
Universität Rostock, Romanistik (Hispanistik)
Universität Wuppertal, Romanistik (Hispanistik, Lateinamerikanistik, Filmwissenschaft)
Universität Tübingen, Romanistik (Hispanistik)

Die Forschungsgruppe „TransExil. Verhandlungen von Ästhetik und Gemeinschaft im postrevolutionären Mexiko“ (2025-2029) untersucht, wie transnationale Migrationsbewegungen zu neuen Imaginationen, Konzepten und Praktiken von Gemeinschaft und Ästhetik geführt haben. Unser Teilprojekt „Cultural Anthropology, Indigenismus und lokale Materialitäten im Kontext des Exils“ ist eine interdisziplinäre Kooperation zwischen Altamerikanistik (Bonn) und Kunstgeschichte (Lüneburg). Im Mittelpunkt stehen die Bauhäusler:innen Hannes Meyer und Lena Meyer-Bergner, die 1938 vor dem nationalsozialistischen Terror nach Mexiko flohen. In Lüneburg wird das Wirken von Anni und Josef Albers, die Mexiko seit den späten 1930er Jahren regelmäßig besucht haben, sowie der afroamerikanischen Künstlerin Elizabeth Catlett und der Fotografin Mariana Yampolsky untersucht.

Die Antropología ist ein zentraler Knotenpunkt in der mexikanischen Exilforschung. In ihr verbanden sich der wissenschaftliche Diskurs, die politische Agenda und die ästhetische Praxis des Indigenismus mit Materialitäten der und Diskursen über die präkolumbische Zeit. Wir erforschen diese gegenseitigen Einflussnahmen im Alltag und Schaffen der Künstler:innen. Uns interessiert, wie dadurch Ästhetik und Gemeinschaft neu verhandelt wurden – wie etwa die Exilierten Gemeinschaftsentwürfe schufen, die sich radikal von völkisch-nationalen unterschieden.

https://www.transexil.de

Amazonas
© Nieri Da Silva
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© SciCoMove

Scientific Collection on the Move (SciCoMove) –  Wissenschaftliche Sammlungen auf dem Vormarsch: Provinzmuseen, Archive und Sammlungspraktiken (1800-1950).

Laufzeit: 2021 - 2025

Leitung: Dr. Daniel Graña-Behrens, Prof. Dr. Karoline Noack

Förderung: Europäische Union

Kooperationen: Verbundprojekt europäischer und lateinamerikanischer Museen und Forschungsinstitutionen

SciCoMove promotes international, interdisciplinary and intersectoral collaborations between historians of science, scientists and museum professionals from 9 countries in Latin America and Europe with a view to trace the history of scientific collections in paleontology, anthropology, botany and related applied sciences. Its ambition is to reassess their significance and to develop new historical knowledge applicable to their curatorship, utilization by researchers and communication to the public. Drawing on the most recent historiography of science and scientific collections, SciCoMove focuses on the past, but it addresses current issues faced by science museums regarding repatriation demands and the dialogue with “source communities”. Accordingly, SciCoMove focuses on objects “on the move” and on the scholarly practices and sociability of the agents who made these moves possible. SciCoMove promotes collaborations on equal terms between Latin American and European teams, in a multilateral and multilingual context of mutual training and sharing. The research combining the material study of objects and investigations in archives will be carried out through case studies and workshops on crosscutting themes. It will feed into training seminars. A digital exhibition put on line on the DDB Platform Deutsche Digitale Bibliothek will communicate research results, in line with EU policy promoting the public understanding of science and citizen science. The project started in mid 2021 and last four years.

Futher information: https://scicomove.hypotheses.org/.


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