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Selinunt

Selinunt - Lebensbereiche und Gestaltung städtischen Raumes in archaischer und klassischer Zeit

2010 und 2011 wurden die erste beiden Kampagne eines neuen Ausgrabungsprojekts der Abteilung für Klassische Archäologie der Universität Bonn in der griechischen Koloniestadt Selinunt im Südwesten Siziliens durchgeführt. Dies geschieht im Rahmen einer Kooperation mit dem Deutschen Archäologischen Instituts in Rom zum Thema „Selinunt – Lebensbereiche und Gestaltung städtischen Raumes in archaischer und klassischer Zeit“. Ziel ist es, die verschiedenen Funktions- und Lebensbereiche der Stadt einschließlich ihrer Wechselwirkungen exemplarisch zu untersuchen. Der Bonner Anteil besteht in der Untersuchung des Produktions- bzw. Arbeitsbereichs anhand eines ausgedehnten Handwerkerviertels im Tal des Gorgo Cotone, das durch geophysikalische Prospektion nachgewiesen wurde. Finanziert wird die Unternehmung von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, dem Deutschen Archäologischen Institut und der Universität Bonn.

Ziel des Projekts ist es

- erstens, eine oder mehrere Werkstätten freizulegen, um deren architektonische Struktur und Arbeitsprozesse zu rekonstruieren

- zweitens die Produkte der Werkstätten in Bezug auf die Technik und die Verbreitung zu untersuchen und

- drittens die urbanistische Einbindung und die Anbindung an die Verkehrswege zu klären.

GeoplanSelinunt

Abb.1: Die Töpferöfen der Insula S16/17 auf dem geophysikalischen Prospektionsplan

Für die Grabung wurde der Bereich zwischen den Straßen S 16 und 17, in einer Biegung des Flusses und der parallel verlaufenden Mauer, ausgewählt. 2010 wurden zunächst zwei Schnitte angelegt, die Teile der Straße S 16, der Begrenzungsmauer der Insula und der Werkstatt sowie den Übergang zum Bereich der Stadtmauer umfassten. 2011 wurden diese beiden Schnitte zu einem großen neuen Areal erweitert und dabei die Werkstattbereiche im Norden sowie die Platzanlage im Osten der Öfen mit in die Untersuchung einbezogen. In der Töpferwerkstatt, in deren offenen Bereich eine breite, für Wagen geeignete Einfahrt mit einem Prellstein an der Ecke führte, wurden vier große Öfen, zwei von rechteckiger und zwei von runder Form, ergraben. Erhalten haben sich bei zwei rechteckigen Öfen die vorgelagerten Praefurnien, die in den Hang getieften Feuerungsräume bis kurz unterhalb der Lochtennen sowie der Ansatz der Kuppeln. Bei einem Rundofen konnte ferner die Lochtenne über den seitlichen Befeuerungsräumen nachgewiesen werden. Im nordwestlichen Teil des Grabungsareals wurden erste ummauerte Werkstattbereiche freigelegt. Auch eine ältere Werkstattphase mit Ofen konnte unterhalb der bisher bekannten Öfen festgestellt werden. Die Werkstatt war in ihren unterschiedlichen Phasen offenbar vom 6. bis in das 4. Jh. v. Chr., also auch noch nach der Eroberung der Stadt durch die Punier 409, in Benutzung. Darüber hinaus konnte ein Teil der Stadtmauer mit einer Mächtigkeit von 4,10 m ergraben werden. Sie ist in Schalentechnik, mit sorgfältig behauenen Quadern und einer Füllung aus kleineren Bruchsteinen, errichtet. Im Inneren verläuft entlang der Mauer ein schmaler, grob geschotterter Weg, der nach Norden stark abfällt. Der Mauer vorgelagert gibt es Reste einer großen älteren Konstruktion aus der Anfangszeit der Kolonie.

Projektteam 2011

Abb.2: Das Team der Grabungskampagne 2011


Projektleitung

Prof. Dr. Martin Bentz

Institut für Kunstgeschichte und Archäologie der Universität Bonn
Abteilung Klassische Archäologie
Am Hofgarten 21
53113 Bonn
Tel: ++49-228-73 77 35
E-Mail


Projektteam

 

Dr. Jon Albers (Schnittleitung)
Dr. Gabriel Zuchtriegel (Schnittleitung)
Jan-Marius Müller M.A. (Fundbearbeitung)
Axel Miß B.A. (SHK, Datenbank iDAIfield)

Institut für Kunstgeschichte und Archäologie der Universität Bonn

Abteilung Klassische Archäologie
Am Hofgarten 21
53113 Bonn

 

Das Projekt wird finanziert mit Mitteln der deutschen Forschungsgesmeinschaft         

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