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Die Gymnasien in Priene

Das im westlichen Kleinasien gelegene Priene ist eine spätklassische Gründung. Die Stadt ist zu großen Teilen freigelegt und verfügt über einen bedeutenden Bestand an erhaltener Architektur. Zu diesen Bauwerken gehören auch zwei Gymnasien (Abb. 1).

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 Abb. 1 Stadtplan Prienes mit seinen beiden Gymnasien (digitaler Plan Priene 2012)

Das Untere Gymnasion befindet sich an der Peripherie der Stadt und wurde in der zweiten Hälfte des 2. Jhs. v. Chr. errichtet. Es besteht aus einer Palaistra und einem Stadion. Das Obere Gymnasion im Zentrum Prienes ist die ältere der beiden Anlagen (Abb. 2).

Abb. 2

Abb. 2    Oberes Gymnasion von Norden (U. Mania)

Zwar wurden die beiden Bauten bereits vor über 100 Jahren ausgegraben, jedoch haben diese Freilegungen kaum Niederschlag in der Literatur gefunden. In einem auf vier Jahre angelegten Projekt soll nun die Baugeschichte der beiden Gymnasien untersucht werden. Insbesondere die zahlreichen Umbauten am Oberen Gymnasion, dem in der Kaiserzeit eine römische Therme hinzugefügt wurde, zeigen, dass mit den Umbauten auch ein Funktions- und Nutzungswandel einhergegangen ist (Abb. 3).

Abb. 3

Abb. 3  Therme am Oberen Gymnasion von Osten (U. Mania)

Diese Nutzungsgeschichte soll im Kontext der urbanen Entwicklung Prienes betrachtet werden, zu der auch die Errichtung des jüngeren Gymnasions am südlichen Stadtrand gehört. Auf diese Weise kann die Entwicklung der Institution des Gymnasions in Priene in einem Zeitrahmen zwischen Spätklassik und römischer Kaiserzeit exemplarisch nachgezeichnet werden.
In der ersten Kampagnen 2009 und 2010 wurde ein steingerechtes Bauaufmaß am Oberen Gymnasion durchgeführt. Dafür wurden die baulichen Überreste tachymetrisch eingemessen und aufgehendes Mauerwerk fotogrammetrisch aufgenommen (Abb. 4).

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Abb. 4    Steinplan des Oberen Gymnasions

Im Sommer 2010 wurden Ausgrabungen im Areal des Oberen Gymnasions durchgeführt. Wir wissen nun, dass der Baukomplex bereits zur Gründungszeit Prienes als öffentliches Gebäude geplant und errichtet wurde. Der Errichtung der Therme im Norden der Anlage ging eine Erweiterung nach Westen voraus. Hier wurden an der Stelle einer Gasse exedraförmige Räume angelegt. Die kaiserzeitliche Nutzung und Umnutzung des Geländes folgte möglicherweise einer Zeit, in der das Gelände des Oberen Gymnasions aufgegeben worden war. Dies könnte eine Folge eines Erdbebens in der 2. Hälfte des 2. Jhs. v. Chr. und der gleichzeitigen Fertigstellung des jüngeren Unteren Gymnasions gewesen sein.

Praefurnium

Abb. 5    Sondage an einem Praefurnium an der Nordseite des Oberen Gymnasion (U. Mania)

Im Rahmen der Kampagne 2011 wurden weitere Sondagen an der Nordseite des Oberen Gymnasion durchgeführt (Abb. 5). Im Unteren Gymnasion hatte die Altgrabung den östlichen Raum der Nordraumreihe in der Palästra noch nicht freigelegt. Hier konnten Nachgrabungen zeigen, dass die Palästra mindestens in diesem Bereich durch einen Felssturz zerstört und danach nicht wieder aufgebaut wurde. Den Zeitpunkt dieser Katastrophe können wir vorerst grob in die frühe bis mittlere Kaiserzeit datieren. Es scheint, dass die Anlage dann aufgegeben und erst wieder in einer byzantinischen Nachbesiedlung genutzt wurde. Dieses Szenario würde gut in das Bild Prienes in der Kaiserzeit passen, dass von der Aufgabe ganzer Stadtgebiete geprägt ist. Die in der frühen Kaiserzeit einsetzenden Baumaßnahmem am Oberen Gymnasion weisen zudem darauf hin, dass sich die gymnasialen Aktivitäten jetzt wieder im Stadtzentrum konzentrieren.

Unteres Gymnasion

Abb. 6    Blick ins Untere Gymnasion von Nordwesten (U. Mania)

 

Oberes Gymnasion Nordseite

 

Abb. 7   Ansicht der Nordseite des Thermengebäudes vom Oberen Gymnasion

 

Priene ist eine Forschungsgrabung des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Istanbul. Die Arbeiten an den Gymnasien Prienes werden durch Forschungsgelder der Fritz-Thyssen-Stiftung ermöglicht und von Leica Geosystems unterstützt.

Projektleitung: U. Mania

wissenschaftlicher Mitarbeiter: L. Heinze

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