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Projekt Bronzegusswerkstatt

Eine Gusswerkstatt der ägyptischen Spätzeit

Erfassung, Analyse und Kontextualisierung der Materialien einer Bronzegusswerkstatt von der Qubbet el-Hawa (Region Assuan)

 

 

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Projektbeschreibung

 

 

Was wissen wir über Guss im Alten Ägypten?

 


Das Konvolut von der Qubbet el-Hawa und seine Bedeutung

 

Die Untersuchung des Materials von der Qubbet el-Hawa verspricht daher neue und detaillierte Aufschlüsse über die Herstellungstechniken von Kleinbronzen, mit einem besonderen Fokus auf die Technologie der ägyptischen Spätzeit. Die einzelnen Objekte des Konvoluts bilden nämlich praktisch alle Herstellungsstufen von der Anfertigung des Wachsmodells bis zum fertig gegossenen Objekt ab. Es gibt Stücke von Rohwachs, Wachsmodelle von Osirisfigürchen, einen sog. Prägestock zur seriellen Herstellung solcher Statuetten, eine Negativform aus einer Wachs-Harz-Mischung, mehrere leere Gussformen für Götterfiguren und Amulette, mehrere bereits z.T. mit Bronze gefüllte Gussformen, die aber nicht zerstört wurden, mehrere Gussformen mit Fehlgüssen, die noch in der Form stecken, sowie einige weitere kleine Bronzeobjekte, Figürchen und hölzerne Teile von Götterfiguren.

Modernste Untersuchungsmethoden

 

Analysen dieses Materials sollen Informationen zu allen Arbeitsschritten des Gusses liefern, die bisher in dieser umfassenden Form für Ägypten nicht vorliegen. Darüber hinaus sind wichtige Erkenntnisse zur antiken Gusstechnik ganz allgemein zu erwarten. Das betrifft u.a. die Technik des Einguss- und des Abluftsystems wie auch den Guss mehrerer Objekte in einer Gussform. Die materialkundliche Dimension wird im Projekt besonders in den Vordergrund gestellt, um anhand der Ergebnisse von naturwissenschaftlich-technologischen Untersuchungen eine experimentelle Versuchsreihe zu starten, in der der gesamte Herstellungsprozess ägyptischer Kleinbronzen im Detail nachvollzogen werden soll.

Dank der Förderung durch die Fritz-Thyssen-Stiftung und der vielfältigen Kooperation mit führenden naturwissenschaftlich und technologisch arbeitenden Forschungsinstituten und Experten für antike Metalltechnologie werden daher mit Hilfe modernster Verfahren umfassende Daten zu den Artefakten gesammelt. Mittels der Computertomographie ist es möglich, sich ein präzises Bild der Zusammensetzung der Gussformen und ihres Innenlebens zu machen. Die gewonnenen digitalen Daten dienen darüber hinaus dazu, 3D-Modelle des Hohlraum im Inneren der Gussformen anzufertigen, um die zu gießenden Objekte erneut zum Leben zu erwecken. Eine Untersuchung der für die Gussformen verwendeten Tone durch eine Dünnschliffanalyse wird deren Bestandteile und Mischung zeigen, die helfen, den Ort der Materialgewinnung zu identifizieren und den spezialisierten Charakter des keramischen Materials zu beschreiben. Beprobungen der organischen Materialien wie des Wachses und der organischen Masse am 'Prägestock' werden auch hier Aufschluss über die konkrete Materialbeschaffenheit geben. Die Analyse
der verwendeten Metalllegierung(en) mit Hilfe der Röntgenfluoreszenz-Methode wird in Kürze Ergebnisse zum Verhältnis zwischen den Hauptbestandteilen Kupfer, Zinn und Blei liefern, so dass die Rohstoffe und deren Zirkulation sowie das Bronze-'Rezept' der lokalen Gusswerkstatt benannt werden können.

Das Projekt bietet die Chance, eine Referenz für jegliche Beschäftigung mit ägyptischen Bronzeartefakten zu generieren, die darüber hinaus auch für den Bronzeguss und seine Technologie im Alten Orient und der Klassischen Antike von Relevanz ist.   

 

Kooperationspartner

 

Das Projekt wird in Kooperation mit dem LVR-Landesmuseum Bonn, Abt. Bestandspflege und Sammlungs-erschließung durchgeführt. Projektpartner sind der Leiter der Abteilung, Prof. Dr. Michael Schmauder, und der leitende Restaurator Frank Willer. Partner bei der Datenerhebung im MikroCT ist die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung Berlin (BAM), Fachbereich 8.5 Mikro-ZfP, namentlich Dietmar Meinel. Die Metallproben werden am Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie gGmbH Mannheim unter der Leitung von Dr. Roland Schwab analysiert. Dr. Gerwulf Schneider (FU Berlin, Exzellenzcluster TOPOI) wird die keramische Analyse der Gussformen übernehmen, die organischen Materialien (Wachs, Bitumen, Holz) sollen im Doerner-Institut (München) unter der Leitung von Ursula Baumer untersucht werden.

 

Fallbeispiel Harpokrates (Gussform QH 207/42)

 

 



Das vorgestellte Verfahren ist zum größten Teil auch auf die anderen Gussformen angewendet worden, so dass es möglich ist, die intendierten Endprodukte zwar nicht in Bronze, aber in Kunststoff darzustellen. Darüber hinaus ermöglichen es diese Daten, selbst Modelle herzustellen, die im Kontext eines geplanten Workshops zur experimentellen Archäologie tatsächlich auch in Bronze gegossen werden sollen.

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