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In memoriam Prof. Dr. Ursula Rößler-Köhler

Geboren am 3. August 1947, gestorben am 11. März 2019 – das sind die Eckdaten eines bunten und vielschichtigen Lebens mit den Hauptstationen Kassel als Ort der Kindheit und frühen Jugend, dem prägenden Studienort Göttingen und dann der Professur für Ägyptologie in Bonn.
Die bis Alfred Wiedemann und damit die akademischen Anfänge des Faches zurückgehende Bonner Tradition hat Ursula Rößler-Köhler vor allem durch drei Säulen geprägt. Eine Göttinger Tradition fortschreibend, hat sie das Totenbuch-Projekt nach Bonn mitgebracht und hier zu einer international renommierten Forschungseinrichtung auf- und ausgebaut. Mit den von ihr herausgegebenen Reihen HAT (Handschriften zum altägyptischen Totenbuch) und SAT (Studien zum altägyptischen Totenbuch) sowie der elektronisch verfügbaren Datenbank nahezu aller Textzeugen wurde Grundlagenforschung betrieben, die eng mit ihrem Forschungsinteresse an Überlieferungsfragen und speziell der Textkritik verbunden war. Ebenfalls auf Göttinger Ursprünge zurück geht das innovative Grabungsprojekt im mittelägyptischen Ma’abda, das nach wenigen, aber vielversprechenden Kampagnen 1996 aufgrund äußerer Umstände leider nicht fortgeführt werden konnte. Die dritte und vielleicht wichtigste Säule war der Aufbau des Ägyptischen Museums, und diese mit großem persönlichen Engagement vorangetriebene Arbeit hat sich zu einer enormen Erfolgsgeschichte in die Gegenwart und – hoffentlich – auch die Zukunft entwickelt.
Ursula Rößler-Köhler war eine engagierte und inspirierende Lehrerin, was sich in einer breiten Schülerschaft spiegelt. Wer das Glück hatte, sie kennenzulernen, weiß, dass dabei immer auch die persönliche Begegnung eine wesentliche Rolle spielte. Weit über Forschung und Lehre hinaus engagierte sie (zeitweise die einzige Frau in der großen Bonner Philosophischen Fakultät!) sich intensiv und erfolgreich in der akademischen Selbstverwaltung und wirkte über lange Jahre für die DFG als allseits sehr geschätzte Fachgutachterin.
Die letzten Jahre waren von einer längeren Krankheit geprägt, aber es zeigt ihre starke Persönlichkeit, dass sie diese mit Würde trug. Auch über ihre Emeritierung hinaus war Ursula Rößler-Köhler am Fach und seiner weiteren Entwicklung interessiert, wobei ihr Herz insbesondere für das Bonner Ägyptische Museum schlug, das 2001 von ihr ins Leben gerufen worden war.
Ursula Rößler-Köhler hatte einen breiten internationalen Freundeskreis, und wir alle sind betroffen von der traurigen Nachricht ihres Todes. Zugleich sind unsere Gedanken bei ihrem Ehemann und ihrer Familie.
Für die Bonner Abteilung für Ägyptologie mit Ägyptischem Museum
Ludwig Morenz Amr El Hawary Frank Förster

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